Gleichzeitig sind gemeinnützige Stiftungen – etwa Spenden und ehrenamtliche Arbeit – meist Ausdruck der Philanthropie (griechisch für Nächstenliebe), das heißt, die Stiftung steht unter der Aufsicht der Landesstiftungsaufsicht, die bundesweit organisiert ist in der Schweiz.
1.2 _ Stiftungen als liberale Form der Gemeinnützigkeit
Insbesondere da sich der Stiftungsrat durch Kooptation (also die Wahl neuer Vorstandsmitglieder über bestehende) „propagiert“, besteht die Gefahr, dass er zu unabhängig wird. Einerseits sollten die Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass sie mehr privates gemeinnütziges Engagement ermöglichen.
2.1 _ Der Stiftungssektor im Überblick
Gemäss Schweizer Stiftungsreport 2013 wird das Gesamtvermögen der 12.900 gemeinnützigen Stiftungen in der Schweiz auf 70 Milliarden geschätzt. Im Gegensatz zu Basel verzeichnete die Genfer Stiftungsszene in den letzten Jahren jedoch ein starkes Wachstum und eine deutliche Internationalisierung.
2.2 _ Schwerpunkte der Stiftungsarbeit
Die Gründung der Stiftung Musikinsel Rheinau ist einer Spende von Alt-Bundesrat Christoph Blocher in der Höhe von 20 Millionen Franken zu verdanken. Im Jahr 2012 schenkte die Großbank UBS der Universität Zürich zum Firmenjubiläum ein International Center of Economics in Society.
2.3 _ Die globale Dimension des Stiftungsstandorts
Auch der in den USA lebende Schweizer Unternehmer Hansjörg Wyss ist seit vielen Jahren in beiden Ländern philanthropisch aktiv (siehe Box 4). Auch Andreas Bechtler hinterließ seiner Wahlheimat Charlotte, USA, eine umfangreiche Kunstsammlung, die dort ein nach ihm benanntes Museum errichtete. Er machte aber auch weniger bekannte Zusagen – zum Beispiel eine Spende von 3,7 Millionen Franken für die Sanierung der Furkabahn oder eine Spende an die Beyeler-Stiftung, deren Präsident er ist.
Auch viele andere Banken haben in den letzten Jahren philanthropische Beratungs- und Stiftungsabteilungen aufgebaut, etwa die Credit Suisse, die Bank Reichmuth, die Basler Kantonalbank und allen voran die UBS.
LGT Venture Philanthropy ist darauf spezialisiert, Sozialunternehmer in Entwicklungsländern mit nachhaltigen Geschäftsmodellen zu identifizieren und sie über mehrere Jahre mit einer Kombination aus Fördermitteln und Managementberatung zu unterstützen. Die Schweiz profitiert davon, dass sie mit dem WEF in Davos und dem Hauptsitz internationaler Organisationen bereits Knotenpunktfunktionen in globalen Netzwerken erfüllt. Attraktive Rahmenbedingungen und ein dynamisches philanthropisches Ökosystem sind Voraussetzungen dafür, dass sich die Schweiz im internationalen Wettbewerb um Mittelvergaben behaupten kann.
3.1 _ Das kontinentaleuropäische vs. das angelsächsische Modell
Ƹ Der Diskurs über Philanthropie und Stiftungen ist in den USA besonders ausgeprägt – sowohl in der Fachdiskussion unter Experten als auch in der öffentlichen Debatte. Da es keine Kirchensteuer gibt, gehen in den USA ein Drittel der Spenden an religiöse Institutionen. In den USA sind viele Großspender erfolgreiche Unternehmer, die sich oft im mittleren Alter zu aktiven Philanthropen entwickeln.
Und der Wandel wird immer größer: Im Jahr 2012 wurden in den USA Spenden in Höhe von 41 Milliarden Lek getätigt.
3.2 _ Die Schweiz als Zwitter der beiden Modelle
10 Auch in der Bevölkerung herrscht ein hoher Wohlstand, der zu einer außergewöhnlichen Spendenbereitschaft beiträgt. Darüber hinaus umfasst der in der angelsächsischen Philanthropie gebräuchliche Begriff auch Professionalität und Wirkungsorientierung. Eine frühere Studie zur Modernisierung des Sektors trug den Titel „Stärkung der Philanthropie in der Schweiz“ und wurde 2010 von der gemeinnützigen Fondation Lombard Odier unter Beteiligung einer externen Steuer durchgeführt.
Verschiedene Indikatoren zeigen, dass die Kultur der Philanthropie in der Schweiz ausgeprägter ist als in vielen anderen Ländern.
4.1 _ Aufbau auf einer guten Grundlage
4.2 _ Die Bedeutung von Stifterpersönlichkeiten
In kurzer Zeit hat sich das Giving Pledge zu einer wahren Bewegung entwickelt, die die globale Philanthropie für immer verändern könnte. In kurzer Zeit hat sich das Giving Pledge zu einer Bewegung entwickelt, die die globale Philanthropie langfristig verändern könnte. Hansjörg Wyss (siehe Box 4) war 2014 der erste und einzige Schweizer, der sich dem Giving Pledge anschloss; andere könnten ihm folgen.
Hansjörg Wyss war 2014 der erste und einzige Schweizer, der sich dem Giving Pledge anschloss; andere können ihm folgen.
4.3 _ Der Beitrag der Medien
Initiative, dass jedes Mitglied die Form der Selbstdarstellung und die Umsetzung seines Spendenwillens selbst bestimmt und diesbezüglich niemandem gegenüber haftet. 16 Neben dem Profil des Philanthropen werden dort auch die im jeweiligen Jahr gespendete Summe und die bisher gespendete Gesamtsumme („Total Lifetime Giving“) veröffentlicht. Im Jahr 2006 wurde das Stiftungsrecht erstmals überarbeitet, um Missbrauch vorzubeugen und die Attraktivität des Stiftungsstandortes zu erhöhen.
Der Stiftungszweck kann unter Mitwirkung des Stiftungsaufsichtsorgans geändert werden, wenn die Satzung dies zulässt und die letzte Zweckänderung mindestens zehn Jahre zurückliegt.
5.1 _ Mindeststandards für Good Governance
Diese Reform verbesserte die Unternehmensführung zumindest bei großen Stiftungen, stärkte die steuerlichen Anreize für Stiftungen und erhöhte die Fähigkeit von Stiftungen, sich an veränderte Umstände anzupassen. Das Anfang 2013 in Kraft getretene neue Rechnungslegungsgesetz wird ab 2015 auch für Großstiftungen deutlich strengere Rechnungslegungsanforderungen mit sich bringen. Andererseits wollte sie das Problem der inaktiven Stiftungen ansprechen, deren Zahl sie auf 3.000 schätzt – eine Zahl, an der andere Beobachter auf dieser Ebene Zweifel haben.
Die zuständige Kommission im Staatsrat ergänzte den Vorschlag durch einen Aufruf zum nationalen Institutionenregister.
5.2 _ Steuerliche Anreize durch Möglichkeit eines Verlustvortrags
5.3 _ Reorganisation der Stiftungsaufsicht in den Kantonen
Heute gibt es gemeinsame Aufsichtsbehörden für die Zentralschweiz, die Ostschweiz, die Westschweiz und die beiden Basel. Dies ist grundsätzlich sinnvoll, da der Aufsicht über Pensionskassen in der Regel politisch und operativ eine größere Bedeutung zukommt, während die Aufsicht über gemeinnützige Stiftungen in der Gesamtkassenaufsicht weniger Gewicht hat. Dies bedeutet zum einen die konsequente funktionale Trennung der Aufsicht über Pensionskassen von der Aufsicht über gemeinnützige Stiftungen und zum anderen die Zusammenfassung der Aufsichtsbehörden über gemeinnützige Stiftungen in Landesverbänden.
Sie suchen Sozialunternehmer mit innovativen Geschäftsmodellen und unterstützen sie nicht nur mit Geld, sondern auch mit Beratung und operativer Unterstützung.
5.4 _ Transparenz und nationales Stiftungsregister
Insbesondere bei innovativen Modellen der Venture Philanthropie (z. B. der Einsatz von Zuschüssen für Beteiligungsinvestitionen) werden die Regulierungsbehörden in der Schweiz mehr Flexibilität als bisher benötigen. Eine wichtige Massnahme wäre die Einführung eines nationalen Stiftungsregisters – also eines Online-Registers aller gemeinnützigen Stiftungen in der Schweiz. Eine weitere Maßnahme zur Förderung der Transparenz ist eine umfassende Veröffentlichungspflicht für gemeinnützige Organisationen.
Es basiert auf eigenen Recherchen und vor allem auf den Daten, die gemeinnützige Stiftungen jährlich an die Steuerverwaltung melden („Formular 990“).
6.1 _ Spezialisierte Institutionen und Austauschplattformen
Seit der Jahrtausendwende ist eine deutliche Differenzierung bei den Mittlerorganisationen des institutionellen Sektors zu beobachten. Seit der Jahrtausendwende kam es auch in anderen Bereichen der Stiftung zu Dynamiken. Darüber hinaus gibt es drei weitere Stiftungen, die Fondation Lombard Odier in der Westschweiz sowie die Gebert Rüf-Stiftung und die Müller-Möhl-Stiftung in der Deutschschweiz, deren Ziel es ist, Philanthropie und Stiftungen in der Schweiz zu fördern.
Eine weitere Neuerung ist die wachsende Zahl spezialisierter Philanthropieberater, die wiederum zur Professionalisierung beitragen.
6.2 _ Professionalisierung der Ausbildung
Im Jahr 2010 startete das Zentrum die Glasspockets-Initiative zur Förderung der Transparenz im Non-Profit-Bereich der Online-Welt. Aber auch Mittlerorganisationen können zu einer effizienteren Spendenvergabe im Non-Profit-Bereich beitragen. Ein Beispiel hierfür ist die britische Online-Plattform The Big Give UK, die Spender und gemeinnützige Stiftungen in Projekten zusammenbringt.
Ein weiteres Beispiel ist die amerikanische Organisation Charity Navigator, die mehr als 5.000 gemeinnützige Organisationen anhand ihres Finanzmanagements und ihrer Führung bewertet.
7.1 _ Gute Gründe für Kooperationen
Der vor mehr als hundert Jahren gegründete National Trust ist ein privater Fonds, der Orte von historischer Bedeutung und natürlicher Schönheit bewahrt und zugänglich macht. Ohne den National Trust wäre die Erhaltung und Pflege von Kulturgütern und Landschaften in Großbritannien nicht mehr vorstellbar. Viele Länder haben seitdem das National Trust-Modell kopiert, darunter Irland, Italien und mehrere australische und kanadische Länder.
Da eine zentrale Organisation wie der National Trust für die Schweiz weder sinnvoll noch realistisch erscheint, wäre eine sorgfältige Konsolidierung durch freiwillige Zusammenarbeit die plausibelste Alternative.
7.2 _ Abbau von Fusionshindernissen
In der Schweiz sind die in der Nationalstiftung gebündelten Funktionen auf ein Panoptikum verschiedener Institutionen verteilt: der Schweizerische Denkmalschutzdienst mit seinen 26 kantonalen Sektionen, die Schweizerische Stiftung für Landschaftsschutz, der Schweizerische Staatsfonds für Landschaft, Pro Natura mit seinen kantonalen Sektionen . , Frilandsmuseet Ballenberg und unzählige regionale Initiativen und Vereine. Sinnvoll wäre eine Ergänzung des Stiftungsrechts, wonach Stiftungen, die ihren Zweck beispielsweise länger als fünf Jahre nicht aktiv verfolgen, von der Stiftungsaufsicht zwangsweise liquidiert oder fusioniert werden müssen. Eine Auszahlungsquote soll in der Schweiz nur dann eingeführt werden, wenn die freiwilligen Kooperations- und Konsolidierungsformen in absehbarer Zeit nicht in Kraft treten.
Denkbar sind aber auch Varianten eines Verteilungsschlüssels, etwa eine höhere steuerliche Absetzbarkeit von Spenden an Stiftungen, die mindestens 5 % pro Jahr auszahlen.
Auch Stiftungsfusionen (und Umwandlungen in Verbraucherstiftungen) wurden bei der Revision des finnischen Stiftungsgesetzes im Jahr 2014 klarer geregelt. Dabei handelt es sich um ein wirksames, aber gleichzeitig relativ grobes Instrument, um den Ausstieg und die Konsolidierung im Stiftungsbereich zu verbessern. In den USA müssen gemeinnützige Stiftungen jedes Jahr mindestens 5 % ihres Vermögens für den Zweck der Stiftung bereitstellen.
In diesem Fall wäre es sinnvoll, einen mehrjährigen Durchschnitt der Auszahlungen zu haben, um den Stiftungen Flexibilität bei der Strukturierung ihrer Ausgaben zu geben.
8.1 _ Die Ausgliederung staatlicher Funktionen in Stiftungen
In der Schweiz ergänzen Stiftungen den öffentlichen Sektor bereits bei der Wahrnehmung (ehemals) staatlicher Aufgaben. Allerdings sind staatliche Stiftungen in der Schweiz grundsätzlich relativ selten und es gab in den letzten Jahren nahezu keine Neugründungen. In Deutschland gibt es allein in der Trägerschaft von Bund und Ländern mehr als 500 Stiftungen des öffentlichen Rechts.
Staatsstiftungen sind in der Schweiz deutlich weniger verbreitet als in den angrenzenden deutschsprachigen Ländern.
8.2 _ Matched Funding als Katalysator
Auch Regierungen in anderen Ländern haben ähnliche Förderprogramme eingeführt, insbesondere im Hochschulbereich. Ein Beispiel für eine vergleichbare Förderung im deutschen Hochschulsystem ist das Land Hessen, das die 2008 zur Stiftungsuniversität gewordene Goethe-Universität Frankfurt bei der Einwerbung ihrer Mittel unterstützt: bis zu 50 Millionen Euro. Programm zur Unterstützung von Universitäten beim Aufbau von Stiftungsvermögen.
Auch in der Schweiz könnte ein staatlich gefördertes Förderprogramm Universitäten beim Aufbau von Stiftungsvermögen unterstützen.
Stiftungen – Ausdruck einer liberalen Gesellschaft
Dies würde der Schweizer Hochschulbildung die erste Milliarde an Fördermitteln und eine Grundlage für weitere Mittelbeschaffung bescheren. International gibt es unterschiedliche Kernkulturen, wobei sich das angelsächsische Modell besonders vom kontinentaleuropäischen Modell unterscheidet. Das traditionelle Niederlassungssystem in Kontinentaleuropa zeichnet sich eher durch Diskretion, Kapitalerhalt und eine entspannte Niederlassungskultur aus.
Die Schweiz ist eine Kreuzung beider Modelle und hat ähnliche Voraussetzungen für ein florierendes Stiftungssystem wie die USA: liberale Stiftungsgesetze, ein starkes Staatsbürgergefühl, niedrige Steuern und eine hohe Dichte an Privatvermögen.
Reformpotenzial in unterschiedlichen Bereichen
85 % der Wohltätigkeitsorganisationen in der Schweiz verfügen über ein Vermögen von weniger als 5 Millionen und 80 % haben kein festes Personal. Auch die Ausweitung des Giving Pledge in der Schweiz könnte dem Standort der Stiftung neue Impulse verleihen. Fondation Lombard Odier (2010): Stärkung der Philanthropie in der Schweiz – Strategie und Massnahmen für mehr Beteiligung und bessere Wahrnehmung des Philanthropiesektors.
Schnurbein, Georg von, Rafael Wyser und Steffen Bethmann (2012): Empfehlungen für die Gestaltung eines nationalen Stiftungsregisters in der Schweiz.