Top PDF Gedanken über den Forschungsgegenstand der Ethnologie

Gedanken über den Forschungsgegenstand der Ethnologie

Gedanken über den Forschungsgegenstand der Ethnologie

So umschrieben kann «Kultur» sowohl auf ein In¬ dividuum als auch auf ein Kollektiv bezogen sein. Im ersten Fall kommt «Kultur» dem nahe, oder ist sogar mit dem identisch, was man auch mit den Begriffen «Bildung» und «Entfaltung- der Persön¬ lichkeit» bezeichnen will. Im zweiten Fall bedeutet «Kultur» die Gesamtheit aller geistigen und mate¬ riellen Lebensäußerungen einer bestimmten Ge¬ sellschaft, einer sozialen Einheit, wie immer auch diese im einzelnen Fall geordnet sein möge, als Be¬ rufsgruppe, soziale Klasse, Verwandtschafts- und Abstammungsgruppe, Klientel, Kaste, Bund, Volk, Nation und was der kollektiven Gruppierungsmög¬ lichkeiten mehr sind. In ein solches Kollektiv wird der Mensch entweder hineingeboren oder im Lauf
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Pandaemonium ger.  número15

Pandaemonium ger. número15

Aufzeichnung über das ordnende Sehen im Muster des Betthimmels 12 selbst Gegenstand des Interesses. Wie die Platzüberquerungen, so soll auch das Mustersehen möglicher Ausgangspunkt zu weiterreichenden Überlegungen sein; auch an dieses scheinbar marginale Phänomen sollen sich philosophische Gedanken anschließen lassen: „Ich glaube [die] Sache könnte auf höhere Dinge angewendet werden.” Die projektive, gestaltende Wahrnehmung – „Bilder in den Wolken und in bunten Steinen” – interessiert, wo es um das inventive Ähnlichkeiten-Finden und Relationieren geht. Lichtenberg akzentuiert daran allerdings nicht die Kreativitätsübung, wie sie seit Leonardo topisch ist und zu seiner Zeit etwa, mit spezifischen Abwandlungen und Begründungen, von dem englischen Maler Alexander Cozens im Maluntericht gelehrt wird. 13 Die Aufmerksamkeit gilt bei Lichtenberg nicht dem Entfesseln von Phantasie und sowieso nicht der Technik, ein Landschaftsbild im Großen zu strukturieren, damit sich der Maler nicht in die Einzelheiten verliert; es gilt vielmehr dem Verfahren und der prinzipiellen Möglichkeit, „in der größten Unordnung Ordnung [zu] sehn”: Denn „so wie ich nur einen Rhombus von etwa einem Quadratzolle, oder von 4 oder von 9 usw. Quadratzollen recht deutlich ins Auge faßte, so verwandelte sich für mein Auge sogleich die ganze Fläche in solche Rhombos, alle von der Größe des angenommenen. [...] Wenn ich ein Neues [Muster, SM] versuchte, so hielt es immer anfangs etwas schwer, war es aber im Gange, so war auf einmal das Ganze wie plötzlich kristallisiert. [...] In einer Menge gleichförmig verteilter Punkte könnte ich allerlei Zeichnungen sehen und allerlei Muster, die an einem Ende der Fläche erst gehörig gefaßt sich bald auch im übrigen finden würden.” Aktives Sehen heißt hier das Amorphe strukturieren durch die Projektion eines Schemas: eine Spur legen, ein Gleis. „Muster” entstehen so „aus objektiven und subjektiven Anlagen zugleich”. Eine berühmte Formulierung Lichtenbergs variierend, könnte man auch sagen, sie entstehen aus einem ‚ich sehe„ und einem ‚es sieht„. Dabei aber hat der Betrachter die Möglichkeit, die Muster zu variieren: Sie sind zwar Gleise der Wahrnehmung, aber sie
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Die Ethnologie an den Schweizer Universitäten

Die Ethnologie an den Schweizer Universitäten

Das seit 1972 jährlich zweimal erscheinende Infor¬ mations-Bulletin bringt neben den Protokollen der Mitgliederversammlungen und den Kommissionsbe¬ richten regelmäßig Nachrichten über Lehrveranstaltun¬ gen, Forschungsprogramme und Publikationen der einzelnen Institute und Seminarien. Die Arbeit in den verschiedenen Kommissionen (Wissenschaftliche Kommission, Museumskommission, Redaktionskom¬ mission, Kommission Dritte Welt, Kommission für audiovisuelle Dokumentation und Kommission für Öffentlichkeitsarbeit) hat nicht nur Lehrstuhlinhaber unter sich näher zusammengebracht, sondern auch die studentischen Vertreter der verschiedenen Uni¬ versitäten und die Ethnologen der Praxis. Das gleiche trifft für die Jahresversammlungen und Blockseminare zu, welche von ihrer Thematik her gewöhnlich auch die Zusammenarbeit mit den Nachbardisziplinen ange¬ regt haben. Man denkt hierbei vor allem an die wissen¬ schaftlichen Sitzungen und Intensivseminare «Ethno¬ logie und Dritte Welt» (1972), «Ethnologie und Schule» (1974), «Europäische Ethnologie» (1974), «Ethnolin¬ guistik» (1976) und «Agrarprobleme in agronomischer und ethnologischer Sicht» (1978). Daraus erhellt das
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Curiosity, Inquiry and the Geographical Imagination

Curiosity, Inquiry and the Geographical Imagination

Das vorliegende, in englischer Sprache verfasste Buch von Daniel W. Gade stellt inhaltlich auf den ersten Blick eine Ra- rität dar; während ein Großteil wissenschaftlicher Publikatio- nen die Ergebnisse getaner Arbeit präsentiert, so befasst sich diese Monographie mit der Frage, welche persönlichen Moti- vationen hinter den Forschungstätigkeiten stehen. Für den in erster Linie durch die Berkely School (Carl O. Sauer, James J. Parsons, William M. Denevan) sozialisierten Autor sind die menschliche Wissbegierde (epistemic curiosity) sowie die Liebe zum Forschungsgegenstand (romantic sensibility) dabei die bedeutendsten Triebfedern für die Erlangung neu- er Erkenntnisse im Grenzbereich zwischen Geographie, Ge- schichtswissenschaft und Ethnologie. Seine Sicht der Dinge – welche an ein Zitat erinnert das dem toskanischen Gelehr- ten Galileo Galilei zugeschrieben wird – versucht der Autor durch die Interpretation ausgewählter Biographien (beson- ders jener von Sauer) sowie persönlicher Introspektion und Retrospektive dem Leser verständlich und nachvollziehbar zu vermitteln. Konkret nennt Gade neben dem eingangs ge- nannten Ziel der Arbeit noch drei weitere Absichten; erstens soll Forschung als ein kontinuierlicher Prozess dargestellt werden, welcher mit Ideen im Kopf des Einzelnen beginnt und schließlich als geschriebenes Werk sein – vorläufiges – Ende findet. Zweitens möchte der Autor thematisieren, wie Leben und Wissenschaft im Goethe’schen Sinne („Überall lernt man nur von dem, den man liebt“) untrennbar mitein- ander in Verbindung stehen. Drittens will Gade den Charak- ter und die spezielle Perspektive der Sauer’schen cultural- historical geography – mit welcher auch einige deutschspra- chige Geographen durch Professuren oder Gastprofessuren (z. B. Oskar Schmieder, Gottfried Pfeifer oder Herbert Wil-
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Gletscherseen : Gedanken zur Klassifikation mit besonderer Berücksichtigung von Beispielen aus den Schweizeralpen

Gletscherseen : Gedanken zur Klassifikation mit besonderer Berücksichtigung von Beispielen aus den Schweizeralpen

men konnte. Am Abend des 27. Juli entlud sich ein Unwetter über dem Gadmental, wobei in Gadmen etwa eine Stunde lang grober Hagelschlag registriert wurde. In der Höhe der umliegenden Berge blieben Hagelkörner und Neuschnee bis zum fol¬ genden Tag liegen. Die Wärme des klaren Sommertages ließ am 28. von allen Hän¬

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Die Zukunft der Medizin liegt in den Talenten von morgen. Gedanken zum Auswahlverfahren für Bewerber um Facharztausbildungsstellen

Die Zukunft der Medizin liegt in den Talenten von morgen. Gedanken zum Auswahlverfahren für Bewerber um Facharztausbildungsstellen

bereitet und unstrukturiert im Ablauf sowie der Interviewtechnik ist sein Vorhersagewert (prognostische Validität) nur gering. Mit einem Korrelationskoeffizienten von 0,0–0,25 hat das herkömm- liche Vorstellungsgespräch damit das schlechteste Ergebnis unter den verfügbaren Instrumenten [2]. So sind es Ähnlichkeiten im Persönlichkeits- und Einstellungsprofil von Interviewer und Be- werber, die Entscheidungen dabei offenbar wesentlich beeinflus- sen [3]. Sie sind dafür verantwortlich, ob ein Bewerber als be- sonders kompetent wahrgenommen wird. Dieses Phänomen wird auch als mögliche Erklärung gesehen, dass Führer zu Ge- führten sehr rasch eine individuelle Beziehung im Sinne einer vertikalen Dyade aufbauen (Leader-Member-Exchange Theory) [4]. Die Entscheidung, wer zu jenen gehört, denen später ein besonders hohes Maß an Vertrauen geschenkt wird, die über- durchschnittlich viel Aufmerksamkeit erhalten und die mit spezi- ellen Vorrechten versehen werden (In-Group), fällt demnach bereits nach kürzester Zeit.
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Ethische Argumente zur morphologischen Beobachtung früher Embryonen mit nachfolgendem Transfer eines Embryos: Nachdenkliches zum Beitrag von Hartmut Kreß (J Reproduktionsmed Endokrinol 2005; 2 [1]: 23–8)

Ethische Argumente zur morphologischen Beobachtung früher Embryonen mit nachfolgendem Transfer eines Embryos: Nachdenkliches zum Beitrag von Hartmut Kreß (J Reproduktionsmed Endokrinol 2005; 2 [1]: 23–8)

barer Phänomene. Vf. wird zweifellos der Behauptung zustimmen, daß die Natur nicht „tout court“ als Lehr- meisterin anzusehen ist, sie zeichnet sich durch ihre Ambivalenz aus. Erst die Einordnung in ein schlüssiges Konzept philosophischer Anthropologie läßt sie zu normativer Relevanz aufsteigen. Der theologische Ethiker hat es nicht unmittelbar mit Fakten zu tun, son- dern mit philosophisch aufbereiteten Gedanken über Fakten. Gemeinsam mit dem Philosophen wird er fra- gen, ob die Rede von einem schicksalhaften Vorgang nicht zu undifferenziert ist. Schließlich trägt der Mensch ein die natürlichen Risiken milderndes Projekt an die Natur heran, darauf beruht der ärztliche Auftrag. Leben ist in allen Phasen gefährdet; Intervention ist angesagt, wo naturale Prozesse in die Hand des Menschen gelegt werden. Man darf sich nicht den Vorwurf zuziehen, wie er bisweilen erhoben wird, eine stillschweigende Anthropologisierung der Natur vorzunehmen [2]. Für den Kliniker ist Selektion das tägliche Brot. Ein sol- ches Vorgehen kommt normalerweise um das Operie- ren mit Wahrscheinlichkeiten nicht herum. Bisweilen ist auch pragmatisches Denken angesagt. Das mag be- rechtigt erscheinen, wenn die Risiken kalkulierbar bleiben und keine Totalverfügung über menschliches Leben vorliegt. Abwägungsstrategien lassen sich dann ermitteln. Die Perspektive wandelt sich, wenn eine Totalverfügung ansteht, die keine schonende Korrektur mehr zuläßt. Beim selektierten Embryo geht es um Le- ben und Tod. Der Euphemismus „beiseite legen“ meint im Klartext „sterben lassen“.
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Über die allmähliche Verfestigung der Gedanken beim Drücken von Tasten

Über die allmähliche Verfestigung der Gedanken beim Drücken von Tasten

er sein bestür- tiker werden, die intellektu- disierung von hrung gerich- loterdijk eine er Aussagen. n enervieren- ntellektualität erhöhung des en Welt. Slo- pörung, deren it ethischen eit des Men- m eigentlichen Raum für die dersetzung zu daher nur an eß ein huma- ge treten, das nicht bewusst Reaktion ord- enden Befund hen Problems h der Potenz Verweis auf der errichtet is gesicherten ht erfahrene roblem einer des Bewusst- Alltags nicht wie sehr allein hlichen Den- ern bereits die unwiderrufba-

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Jenseits des Rhein: Ueber periphere Beziehungen in der Ethnologie

Jenseits des Rhein: Ueber periphere Beziehungen in der Ethnologie

Vergangenheit ermöglicht. So wurde W. Gieses Arbeit über den Haut-Dauphiné (1932) ins Französische 1990, und Krügers „Lautgeschichte“, „Gegenstandskultur“ und das Pyrenäenwerk jeweils in den Jahren 2006, 1947 und 1995-96 ins Spanische übersetzt. Die Beziehung M. de Paiva Boléos zu Fritz Krüger begann Ende 1929, als der frisch gebackene Philologe aus Coimbra in Hamburg als Stipendiat ankam. In den folgenden fünf Jahren machte sich Boléo mit den neuren Tendenzen der Wissenschaft, wie sie in der Hansestadt aktiv vertreten waren, vertraut. Die Schule der „Wörter und Sachen“ befürwortete eine praxisorientierte, menschennahe Einstellung zur Philologie, sie war eine Bewegung gegen die herkömmliche philologische Büchergelehrsamkeit. Die Tätigkeit der Hamburger Romanisten war bemerkenswert. Sie reisten und zogen kreuz und quer durch die Romania, um in ausgesuchte, abgelegene Gegenden zu gelangen. Dort hielten sie sich auf, wenn sie sich nicht sogar niederließen, um die Menschen direkt zu befragen und sie in ihren alltäglichen Beschäftigungen zu beobachten. Dazu gehörte das akribische Notieren auf Papier, das Skizzieren, das Photographieren, und zu späterer Gelegenheit das Vergleichen auf der Basis des Literaturstudiums und der gesammelten Erfahrung. Die Veröffentlichungen des Hamburger Seminars für romanische Sprachen und Kultur wirken sachlich und ideologiefrei, wie Settekorn (1991) festgestellt hat. In den 30er Jahren kamen mehrere Studenten Krügers nach Portugal, um ihr Dissertationsmaterial zu sammeln.
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Zur Fournier'schen Gangrän

Zur Fournier'schen Gangrän

Im postoperativen Verlauf fällt trotz primär genügender Resektionsgrenzen eine weitere Infektionsprogredienz auf, so daß der Patient zwei Tage nach dem Primäreingriff un- ter ITN erneut debridiert wird. Hierbei wird wiederum bis in sicher gesundes, blutendes Gewebe exidiert, der Sicher- heitsabstand beträgt hierbei mindestens fünf Zentimeter. Eine Präparation des Rektums oder der Analsphinkter- region wird nicht notwendig. Der Patient erholt sich au- ßerordentlich gut von den operativen Eingriffen und ver- läßt am 15. postoperativen Tag nach der zweiten Resekti- on mit sauber granulierenden Wundverhältnissen – trotz immer noch freiliegender Hoden – die Klinik gegen ärztli- chen Rat. Nachfragen über den Patienten bei einem – wohl fingiert angegebenen – Hausarzt oder bei dem zu- ständigen Sozialamt bleiben erfolglos; über den weiteren Verlauf des Patienten ist nichts bekannt.
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Über die natürliche Ordnung der Erdwissenschaften : Beitrag zur Systemlehre der Geographie

Über die natürliche Ordnung der Erdwissenschaften : Beitrag zur Systemlehre der Geographie

trachtungsweisen (Blickrichtungen, Sehweisen, Ver¬ fahren usw.). Rücken wir die Gemeinsamkeiten an den Anfang, so ergibt sich: Sämtlichen Objekten der Erdwissenschaften wie den Realwissenschaften und den Wissenschaften schlechthin kommen bestimmte Dimensionen (Größenverhältnisse, Größenordnun¬ gen), bestimmte zuständliche (statische) und pro¬ zessuale (dynamische) Strukturen zu. Alle sind sub- stanziell-, räum- und zeitgebunden (befinden sich im Raum, sind räumlich «ausgedehnt» und dauern oder wandeln sich in der Zeit, beziehungsweise ent¬ wickeln sich: progressiv oder regressiv, kontinuier¬ lich oder diskontinuierlich, schneller oder langsamer usw.), und alle treten sowohl in Individuen als auch in Typen auf. Sämtliche Erdwissenschaften haben daher, sofern sie ihre Objekte in ihrer vollen Wirk¬ lichkeit erfassen möchten, was wohl keinem Zweifel
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Bewölkungskartierung über der Schweiz mit Wettersatellitenbildern und Bodenbeobachtungen

Bewölkungskartierung über der Schweiz mit Wettersatellitenbildern und Bodenbeobachtungen

In der Wiedergabe von Details unterscheiden sich die beiden Karten deutlich. In unserer Karte treten das Mittelland und der östliche Jura als reich geglie¬ derte Regionen in Erscheinung. Deutlich zeichnen sich das untere Thurtal und die Täler des Luzerner Mittellandes ab, die unter einem Niveau von 700 m liegen, einer häufig beobachteten Nebelgrenze, und deshalb höchste Bewölkungswerte aufweisen. Diesel¬ ben Gründe liegen auch für die hohe Bewölkung in der Achse Jegenstorf - Koppigen - Aarwangen vor. Daß auch im Jura der Nebel von lokaler Bedeutung sein kann, belegen die hohen Werte im Delsberger- becken und im Laufental.
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Ein Blick auf den Schauplatz der Gastfreundschaft

Ein Blick auf den Schauplatz der Gastfreundschaft

Gedanken zur Verkostung des Gastes, zu seiner räumlichen Unterbringung und möglicherweise bereits zu Gesprächsinhalten. Nach der Auswahl des Menüs wird er den nötigen Einkauf tätigen, kochen, die Getränke bereitstellen und den Aufenthaltsraum und gegebenenfalls das Übernachtungszimmer herrichten. Nach seinem Gang in die Maske und dem Stöbern im Fundus zwecks passender Kostümierung, ist er bereit für seinen Auftritt auf der Bühne. An dieser Stelle könnte noch ein Blick gewagt werden, und zwar jener hinter die Kulissen, hinter das zunächst verborgen Bleibende, ein Blick, der die Schwelle zur Dunkelheit übertritt. Dieser könnte zur Erhellung der folgenden Szene beitragen oder auch nur dem Zeitvertreib des früher angereisten und von Neugier auf das Geheime getriebenen Zuschauers dienen. Was befindet sich auf den Seitenbühnen, welche Kulissen und Requisiten halten sich dort versteckt, und was taucht hinter der Maske unseres Gastgebers und seinen zuvor geleisteten Probenanstrengungen zur Inszenierung der Gastfreundschaft auf?
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DAS GESPRÄCH ZWISCHEN HÖLDERLIN, HEGEL UND SCHELLING  ÜBER KANTS ANTINOMIEN

DAS GESPRÄCH ZWISCHEN HÖLDERLIN, HEGEL UND SCHELLING ÜBER KANTS ANTINOMIEN

Hier taucht aber das wahre Problem einer versöhnenden «Seite» zwischen Gegenteilen auf. Denn wenn der Mensch ewig abhängig von Naturursachen ist, sagt Hölderlin, so ist es ihm unmöglich dieses Gebiet zu fixieren und diese Stimmung zu erfassen. Ihm ist diese Seite, diese «exzentrische Bahn» immer übrig, das ist unbezweifelbar; aber, damit sie stattfindet, hängt diese, nach Hölderlin, von einer unerhörten Vereinigung des Begehrungsvermögen und der Fantasie unter der Führung der Freiheit ab; d. h., es ist notwendig, dass eine Vereinigung, die in praktischer Hinsicht unfruchtbar ist oder wenigstens einen charakteristisch praktischen Umfang besitzt, jetzt theoretisch, d. h, nach einer Freiheit, durch die den von der Natur entgegensetzenden Widerstand wirklich fühlbar gemacht ist, betrachtet wird. Sonst, sagt Hölderlin, «würde es niemals einen vesten Zustand geben, der demjenigen gliche, der so eben angedeutet worden ist, wenigstens würde es nicht von uns abhängen, ihn vestzuhalten. Sein Gegenteil» fügt Hölderlin noch zu, «würde ebenso stattfinden, ohne dass wir es hindern könnten.» (TS: 3-4). Auch Hegel versuchte oft, in seinen frühen theologischen Texten dasselbe Problem auf dieselbe Weise, zu Kant zurückkehrend, zu lösen; und es ist deshalb nur eine Wende im Blick, die die Grundverschiedenheit zwischen den drei Freunden zeigt; denn was bei Schelling unstrittig und unfehlbar ist, was die Aufhebung der Antinomien betrifft, ist es nicht bei Hölderlin oder Hegel, die hier ihre eigene Autonomie innerhalb der Problematik erreichten und auf dieser Bahn immer bleiben würden. Ich zitiere deswegen Hölderlin, nur einige Monate später:
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Mission und Migration

Mission und Migration

Diese Überlegungen verdanken sich eher der Linie des „linken Flü- gels”, für den in seiner Genese Johannes Christiaan Hoekendijk, Hans Jochen Margull und Richard Friedli stehen. Dieser Flügel formulierte seine Konzepte mit seiner starken Bezogenheit auf das Schalom Gottes, Gemeinwesenarbeit, Kooperation mit Bürgerinitiativen/Basisbewegun- gen in Lateinamerika, aber auch in westeuropäischen Ländern in Zu- sammenarbeit mit außerkirchlichen Bewegungen und Gruppen. Er ist andererseits übergegangen in den Ansatz, die Ausbreitungsgeschichte des Christentums nicht nur als Geschichte von Europa oder den USA aus zu sehen, sondern auch als eine Geschichte von unabhängigen christ- lichen Bewegungen in aller Welt, die untereinander vernetzt sind und sich gegenseitig bedingen. Dies hat sich niedergeschlagen in „Studien zur Interkulturellen Geschichte des Christentums”, die von Friedli, Hol- lenweger und Margull herausgegeben diese eigenständige Bewegung des Christentums nachzeichnen. 4 Mit einem ähnlichen Konzept ist spä-
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Auf dem Weg der Samenzelle in die Eizelle entdeckt die Forschung immer noch neue Phänomene und Hindernisse

Auf dem Weg der Samenzelle in die Eizelle entdeckt die Forschung immer noch neue Phänomene und Hindernisse

Die Forschung über die Abläufe während der Befruch- tung hat nicht nur eine lange Geschichte, sondern auch eine kaum zu überschauende Flut an Literatur hervorge- bracht. Es gibt ungezählte, gute Publikationen über die biochemischen Prozesse, die während dieser Kaskade ablaufen [2], doch es existieren bisher wenige Veröffent- lichungen, die die ersten Schritte während der Fusion von Ei- und Samenzelle, d. h. die Penetration der Zona pellucida durch die Samenzelle, nicht nur exakt be- schreiben, sondern auch bildlich darstellen. Noch vor 25 Jahren schrieb Bavister [3], daß es unbekannt sei, wie
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Aktuelles: Zentraler Blutdruck in der ambulanten 24-Stunden-Blutdruckmessung ( ABPM): Zusammenhang mit der linksventrikulären Masse

Aktuelles: Zentraler Blutdruck in der ambulanten 24-Stunden-Blutdruckmessung ( ABPM): Zusammenhang mit der linksventrikulären Masse

PAVK – Die unterschätzte Krankheit Die periphere arterielle Verschlusskrank- heit (PAVK) ist weitaus gefährlicher und verbreiteter als vielfach angenommen. Die getABI-Studie [1] zeigt, dass 20 % der > 60-Jährigen eine PAVK-Prävalenz aufweisen. Die PAVK wird oft zu spät diagnostiziert. Das liegt vor allem da- ran, dass die Betroffenen lange Zeit be- schwerdefrei sind und eine entsprechen- de Untersuchung daher meist erst in akuten Verdachtsfällen erfolgt. Mit dem Knöchel-Arm-Index („ankle- brachial in dex“ [ABI]) ist die Diagnose einer PAVK durchführbar. Der Knöchel-Arm- Index (ABI) ist ein wesentlicher Marker zur Vorhersage von Herzinfarkt, Schlag- anfall und Mortalität.
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Kasuistik 2: 57-jähriger Lehrer mit Leistungsschwäche, verminderter Libido und Prostatavergrößerung

Kasuistik 2: 57-jähriger Lehrer mit Leistungsschwäche, verminderter Libido und Prostatavergrößerung

57-jähriger Lehrer mit verminderter Libido und Antriebsschwäche. Der Patient stellt sich aufgrund einer In- formationssendung über Hormon- veränderungen des alternden Man- nes aus seinem 800 km entfernten Heimatort in der Andrologischen Sprechstunde vor. Keine relevanten Vorerkrankungen, keine laufende Me- dikation. Bisher hat der Patient noch nie eine Testosterontherapie erhalten. Untersuchungsbefund

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Parenterales Inbandronat in der Therapie der postmenopausalen Osteoporose

Parenterales Inbandronat in der Therapie der postmenopausalen Osteoporose

B. Schmerzen beim Schlucken sind subjektive Symptome. Wenn sie bei der Einnahme oraler Bisphosphonate ein Ausmaß erreichen, dass der Patient sich außerstande sieht, das Medikament weiter einzunehmen, ist dies als ausrei- chende Begründung für eine Umstellung auf intravenöse Bisphosphonate zu sehen. Neben den unter Punkt (A) an- geführten Erkrankungen können verschiedene weitere Er- krankungen für Schluckbeschwerden verantwortlich sein (Ösophagitis, Refluxösophagitis [Symptom Sodbrennen]). C. Bei sämtlichen Malabsorptionssyndromen besteht Grund zur Annahme, dass die Absorptionsfähigkeit des Darms beeinträchtigt sein kann. Daher kann es aus pathophysio- logischer Sicht bei Vorliegen derartiger Krankheiten sinn- voll sein, Bisphosphonate in intravenöser Form zu verabrei- chen. Aus der Reihe von Malabsorptionssyndromen seien hier beispielhaft herausgegriffen:
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Erläuterungen zu den Karten typischer Wetterlagen im Schweizerischen Mittelschulatlas

Erläuterungen zu den Karten typischer Wetterlagen im Schweizerischen Mittelschulatlas

Die Wetterkarte vom Abend des 25. Oktober 1937 zeigt uns die voll entwickelte Föhnlage mit dem charakteristischen «Föhnknie», dem Keil hohen Druckes, der sich in der durch den Alpenwall geschützten Poebene erhalten konnte, während der Druck im Westen gefallen ist. An der Grenze zwischen Warm- und Kaltluft, an der sogenann¬ ten Polarfront, entwickelt sich über Nordwestspanien ein neuer Tiefdruckkern, der bis zum nächsten Tag schon stärker sein wird als das alte Zentrum über England. Dieser Vorgang kann sich mehrere Male wiederholen, meist jedesmal etwas östlicher als vor¬ her. Die Teiltiefe entstehen und vergehen rasch. Gelegentlich dringt ein Schwall Polarluft bis nach Mitteleuropa vor, ist aber zu wenig mächtig, um die Warmluft völlig zu verdrängen. Der Föhn «kämpft», oft mehrere Tage lang. Zum Schluß erfolgt entweder ein langsames Abflauen der Druckgegensätze oder (wenn die Kaltluftzufuhr
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