Das Berggebiet und die Neuorientierung der schweizerischen Regionalpolitik

Texto

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hatsich bewährt. Wer LeistungendesBun¬ Projektorientiertes Vorgehen und Projektmanagement

wird durcheinegroßräumige (Kantone, Grenzregionen) Regionalpolitikergänzt,zudenkohäsionspolitischenIn¬ strumenten (IHG, REGIO PLUS) kommenintegrations¬

Die Regionalpolitik soll in erster Linie diewirtschaftli¬ che Erneuerungsfähigkeit unterstützen, indem sie für diese Aufgaben geeignete Trägerschaften und Projekte

zierung, von

desprofitieren will, muß einen angemessenen Eigenbei¬ trag leisten. Der Bund vermittelt Anstöße, mobilisiert Kräfte in den Regionen und trägt zu ihrer nationalen Bündelung bei. Dabei orientiert er sich nicht an einem einheitlichen Bundessatz, sondernan Leistungskriierien, dieflexibelgehandhabtwerdenkönnen. Bundesleistungen an Vorhaben im Rahmen der regionalpolitisch ausge¬ richteten Technologiepolitiksolltenu. a.davon abhängig

gemacht werden, ob diese großräumig koordiniert und abgestimmt sind und eine wirksame «Ausstrahlung» in dieRegion erzielen. Allerdings muß derBund gerade in finanzpolitisch schwierigen ZeiteneinverläßlicherPart¬ ner seinundKontinuitätinfinanzieller Hinsichtgewähr¬ leisten.

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MixvonBasisfinanzieningund Förderungvonguten, an-wendungsorientierten Projekten: Der Bundsoll einenan¬ gemessenenTeil derBasisfinanzierungvonTeilnehmern an einem Technologieverbund übernehmen. Ein sub¬ stantieller Teilseiner Unterstützungsolljedoch überdie Förderung von guten, anwendungsorientierten Projek¬ ten vonTeilnehmernausdemVerbund geschehen. Dabei müssen Kriterien der Förderinstanzen des Bundes

-konkret der Kommission für Technologie und Innova¬ tion (KTI, vormals KWF)

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erfüllt werden.

sollen nicht nur fürF&E gelten, sondern auchim Aus-und Weiterbildungsbereich:derBund sollte vermehrtei¬ ne LeistungsorientierungfürInstitutionen durch stärke¬ ren Einsatzvon projektbezogener Finanzierunganstre¬ ben. Damit sollen Wettbewerb und ein unternehmeri¬ scherGeist indieSchulen und F&E-Einrichtungenge¬ tragen werden.

Das Netzwerk von Unternehmen, Hochschulen, Fach¬ hochschulen, Technologie-Kompetenzzentren sowie Innovationsberatungsstellen und Technologieparks ist vertikalundhorizontalweiterzuknüpfen. Klare regiona¬

le Knoten sollen vom Bund durch projektweiseFörde¬ rung von F & E gestärkt werden. Damit soll das vor¬ handene und schlummernde Potential in den Regio¬ nen mobilisiert und ein Klima der offensiven Koopera¬ tion geschaffen werden. Gelingt es, ein solches Netz¬ werk aufzubauen, mit Leben zu füllen und das regula¬ torische Umfeld wesentlich zu verbessern, so ist die Chance deutlich größer, daß sich der Industriestandort Schweiz im internationalen Wettbewerb behaupten kann.DieTechnologiepolitikleistetdamiteinen substan¬ tiellen Beitrag zur Erhaltung und Schaffungvonattrakti¬ ven Arbeitsplätzen und Einkommen am Standort Schweiz.

Geographica Helvetica 1996

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Nr.2 Paul Messerli

Das

Berggebiet

und die

Neuorientierung

der

schweizerischen Regionalpolitik

Vier Eigenschaften charakterisieren die Neuorientie¬ rung der schweizerischen Regionalpolitik: DasBergge¬ biet bleibt primäresZielgebiet dermeistenregionalpoli¬ tischen Instrumente, die kleinräumige (IHG-Regionen)

Wirtschaftsräume (Triade: Europa, Nordamerika, Süd¬ ostasien) erfordern innovationsfordernde Rahmenbe¬ dingungen und wettbewerbsfähige Standorte in der Schweiz.

politische (INTERREG) hinzu, und der nachhinkende Disparitätenabbausolldurchdie Förderungderregiona¬ lenAnpassungs-undWettbewerbsfähigkeitabgelöstwer¬ den.

Diese Zieloptik ist konsistent mitdermarktwirtschaftli¬ chen ErneuerungdesWirtschaftsstandortes Schweiz als Antwort aufdie globalwirtschaftlichen Herausforderun¬ gen. Die rascheVervielfachung qualifizierter unddiffe¬ renzierter Standorte für die Wirtschaft und die neuen wirtschaftspolitischen Vorgaben durchdie

GATT/WTO-Regeln sowie die fortschreitende Integration großer

mitfinanziert sowie offene und vernetzte Regionsstruk¬ turen fordert. Indiesem Dispositivnehmen die Kantone alsTräger derklein-und großräumigen Regionalpolitik eineSchlüsselrolle ein. Diese Positionsoll insbesondere durch die Neuordnung des bundesstaatlichen

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ausgleiches gefestigt werden, indem derHandlungsspiel¬ raumderKantone vergrößert,dieKooperationsmöglich¬ keiten erweitertund der Föderalismus gestärkt wurden. Die regionaleDimension bemißtsich imneuenKonzept derRegionalpolitik nachdemPrinzipdervariablen Geo¬ metrie; regionale Zusammenarbeit und Vernetzung soll die aufgabenspezifische Funktions-undWettbewerbsfä¬ higkeit garantieren, im kleinräumigen sozial- und um¬ weltpolitischen wie im großräumigen Verkehrs- und standortpolitischen Bereich.

Dieser Artikel will amBeispiel des Berggebietes die re¬ gionalpolitische Neuorientierung konzeptuell und in-strumentell erläutern und einer kritischen Würdigung unterziehen.

1.Die schweizerische Regionalpolitik warweitgehend alsBerggebietspolitik konzipiert DerUrsprungderschweizerischenRegionalpolitikistim föderalistischen Aufbau undinderVielgestaltigkeit der schweizerischen Eidgenossenschaftzusuchen.Die diffe¬ renzierte Anwendung verschiedener staatlicher Ma߬ nahmen, Sonder- und Vorzugsbehandlung bestimmter Gebiete und/oder Gruppen unseres Landes kennzeich¬ nenseitje dieBundespolitik. Deutlich sichtbarwirddies beispielsweiseinderAgrarpolitik,in derVerkehrspolitik oder beim Finanzausgleich. Die regionale Differenzie¬ rungorientierte sich von Anfang an am Berggebiet. Der Abwanderungaus derBerglandwirtschaftwurde bereits inden zwanziger Jahren mitder Agrarpolitik begegnet, dem Substanzverlust an Arbeitskräften, Einkommen und Steuermitteln und der Einschränkung des Hand¬ lungsspielraumes der Bergkantone und -gemeinden durchden 1959 eingeführten bundesstaatlichenFinanz¬ ausgleich. Die Grundidee, diesach- und sektoralpoliti-schen MaßnahmendesBundesin dieregionalpolitische Pflichtzunehmen,istsoaltwie die öffentlicheWahrneh¬ mung einerwirtschaftlichen Benachteiligung undRück¬ ständigkeitdesBerggebietes. DieseDoppelstrategieträgt aber den Zielkonflikt zwischen regionaler Ausgleichs¬ wirkungundsektoralerAllokationseffizienzstetsin sich, was in Phasen der knappen öffentlichen Mittel immer wiederAnlaßzu Grundsatzdiskussionen überdasregio¬ nalpolitische Instrumentarium gab.

DerÜbergang von der impliziten zur expliziten Regio¬ nalpolitikkam1974aufdenpolitischen Druckzustande, regionalpolitisch auf Bundesebene nicht nur sektoral, sondern gesamtwirtschaftlich zugunsten derstrukturell, wachstumsdynamischund wohlstandsmäßigbenachtei¬ ligten Berggebiete (Peripherien) aktiv zu werden, aber auch um eine«Entflechtung» zwischen

Allokations-

und Ausgleichspolitik zu erwirken.

Der institutionelle Rahmen der neuenBerggebietspoli¬ tik wurde durch die Bildung der IHG-Regionen (heute 54) geschaffen. Ohne daß sie eine zusätzliche bundes¬ staatliche HoheitsebenezwischenGemeindenundKan¬ tonen bilden, wurdensiezum institutionellenTrägerder

schweizerischen Regionalpolitik. Das Instrumentarium umfasste vier Elemente (huber.mordasini 1995): (1) Das Bundesgesetz überInvestitionshilfe für Bergge¬

biete(IHG, 1974)zielteaufdie Verbesserungder Un¬ ternehmens- und haushaltsbezogenen Infrastruktur im Berggebiet und damit auf eine Erhöhung der Standortqualität. Mit dem Instrument der «Restfi¬ nanzierung» (maximal 25% der Investitionskosten) sollten regionale Initiativen ausgelöst und koordi¬ niert werden.

(2) DasBundesgesetz überdieFörderungdesHotel-und Kurortskredites (HKG, 1966/75) sollte die Erneue¬ rung der traditionellen Hotelleriebetriebe, die zu

zwei DrittelnausderZeit vor demZweiten Weltkrieg stammten, ermöglichen.

(3) Das Bundesgesetz über die Gewährung von Bürg¬ schaften und Zinskostenbeiträgen in Berggebieten (BGB, 1976)diente derKreditbeschaffung für

Klein-und MittelbetriebemitbeschränktemZugang zuRi¬ sikokapital.

(4) Der Bundesbeschluß über Finanzierungsbeihilfen zugunstenwirtschaftlich bedrohter Regionen («Bon-ny-Beschluß», 1978) wardie Reaktion aufdieStruk¬ turkrise,diemitderRezession (1974/75)indentradi¬ tionellen Industrieregionen des Berggebietes (Uh¬ ren, Textil, Metallindustrie) ausgelöst wurde. Parallel dazu wurden inden Kantonen Programme zur regionalen Wirtschaftsförderung in Gang gesetzt, im Kanton Bern etwaaufder Grundlage des 1971eingeführ¬ ten Wirtschaftsförderungsgesetzes. Die Bindung der Fi¬ nanzhilfenandieErarbeitungeines regionalenEntwick¬ lungskonzeptes löste im Berggebiet eine intensive Pla¬ nungsphaseaus, dievielerortszum Ausgangspunkteiner neuen regionalen Bewußtseinsbildung wurde. MitdiesemSchritt anerkanntederBunddieNotwendig¬ keit,demBerggebiet einen «Sonderstatus»einzuräumen, sollte der Verfassungsauftrag der regionalen undsozia¬ len Chancengleichheit und -gerechtigkeit eingelöstwer¬ den.

Im Rückblick auf zwanzig Jahre IHG-Praxis

-

das eigentlicheRückgrat der schweizerischenRegional-und Berggebietspolitik

-

sind drei Feststellungenzu machen:

1. DieBildungvonRegionen unddieAusarbeitungum¬ fassender Entwicklungskonzepte haben nicht nurzu

einerVerstärkungderüberkommunalen Zusammen¬ arbeitderGemeinden desBerggebietes geführt,son¬ dernauchzueiner Festigungdes regionalen Denkens und Handelns beigetragen.

2. Unbestritten ist, daß dieInvestionshilfe (in über 5700 geförderten Projekten wurden mit rund 2 Mrd.

IHG-Darlehenund Zinskostenbeiträgenvon über 13 Mrd. Schweizerfranken Investitionen ausgelöst) wesent¬ lich dazu beigetragen hat, daß das Berggebiet insbe¬ sondere im Bereich der öffentlichen Grundversor¬ gung heute über eine infrastrukturelle Ausstattung verfugt, die mit jener des Mittellandes weitgehend vergleichbar ist.

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Wohlstandsentwicklung sowie die Einkommensef¬ fekte anbelangt. Indiesen Bereichen konntebei einer Vielzahl von Entwicklungsregionen der Rückstand gegenüber den wirtschaftlich starken Gebieten nicht aufgeholt werden.

Diese Aussage erstaunt nicht, wurde doch bereits Mitte der achtziger Jahre aus den beiden Nationalen For¬ schungsprogrammen «Regionalprobleme in der Schweiz» und «Sozioökonomische Entwicklung und ökologische Belastbarkeit im Berggebiet» festgehalten, daßin einersich rasch ändernden wirtschaftlichen,tech¬ nischenundgesellschaftlichen Umweltjede Regionalpo¬ litikzuspätkomme,dieeinseitig aufdenAbbauder eige¬ nenSchwächenfixiertsei.Vielmehrgeltees,dieregiona¬ len Stärken rechtzeitigzu erkennen und in komparative Vorteile zu verwandeln (innovationsorientierte Regio¬ nalpolitik). Regionalpolitik dürfe ihre Aufgabe in den neunziger Jahren nicht mehr ausschließlich in der Ver¬ gangenheitsbewältigung sehen,sondern müsse sich viel stärker der Gestaltung der Zukunft durch gezielte Inve¬ stitionen indie Fähigkeiten und Kompetenzenregiona¬ ler Entscheidungsträger und regionaler Unternehmer zuwenden. Weniger Ausgleichspolitik sei also für die neunziger Jahre gefragt, dafür mehrProzeßpolitik.

2. MitwelchenZukunftsproblemen sinddie Berggebietekonfrontiert?

Während in den siebziger Jahren das schweizerische Berggebiet einen Bevölkerungsverlust von

-

0,8% erlitt, legte es in den achtziger Jahren mit 8,4% mehr als die Schweiz insgesamt(8%) zu.AuchderZuwachsvon 15,8% der Erwerbstätigen (Schweiz: 17,1%) bestätigt diepositi¬

ve Gesamtbilanz für dieses Jahrzehnt. Eine detaillierte Analyse aufder Basis kommunaler und regionalerEnt¬ wicklungstypen

(bätzing

et al. 1995)decktauf, daß die¬ sesWachstumsehrungleich erfolgte, der sektorale Struk¬ turwandel sich dem schweizerischen weitgehend annä¬ herte,derVerflechtungsgradderGemeindendeutlichzu¬ nahm (die Zahlderisolierten Gemeindenging auf9%der Bergebietsgemeinden zurück) und die Siedlungsent¬ wicklungdurchAgglomerationsprozessemitFunktions¬ entmischungvon Wohnen und Arbeitengeprägt ist. So

fallen 77% des Wachstums der Erwerbstätigen auf Pendlergemeinden und Zentren und nur7% aufTouris¬ musgemeinden.Entsiedlungsprozesse finden vor allem

indenindustriellgeprägtenGemeindenund denKleinst¬ gemeinden mit wenigerals300Einwohnern statt.Aufre¬

gionaler Ebene (IHG-Regionen, vgl. Karte) zeigt sich, daß die Zahl der zentrendominierten Regionen

zwi-Regionale

Entwicklungstypen

der

IHG-Regionen,

1990

Base SiGa cn

Zunch

171

NA

Luzern

172

NAT

peJn

Chur

r 28

NA" NAT181 NAT

1833 186

NA NT

Lausanne

NAT 231

NAT AT) NAT

NT

Geneve

Lugano

Copyright:GeographischesInstitutderUniversitätBern. Kartographie:M.Perlik.

Aus:Bätzing/Messerli/Perlik,1995

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schen 1980 und 1990 deutlich zugenommen hat, die PendlerregionenamAlpen-undJurarandvon dennahen Arbeitsplatzzentren undihrer hohenWohnstandortqua¬ litätprofitierenund dienicht zentrendominierten(länd¬ lichen) Regionen immer deutlicher das eigentliche «strukturschwacheBerggebiet» ausweisen; insbesondere sind dieVoraussetzungen fürzentrenorientierte Tertiäri-sierungsprozesse ungünstig.

Was ausdiesem Entwicklungsmuster insgesamt fürdie Zukunftsgestaltung entscheidend seindürfte, istdieTat¬ sache, daß sich die Zentrenstruktur im Berggebietver¬ stärkt hat, wodurch die Allokationseffizienz künftiger Investitionen erhöht wird; dazu istderPendlerverflech¬ tungsgradsoangestiegen, daß dieinterregionaleZusam¬ menarbeitraschanBedeutunggewinnen wird. Die künf¬ tigeRegionalpolitik muß dieser Entwicklung Rechnung tragen. Die StärkungderZentrenstrukturund dieflexible Unterstützungderinterregionalen Zusammenarbeitauf¬ grund von Nachbarschaften und bestehender Verflech¬ tungen ist ein zwingender Ansatzpunkt.

Die achtziger Jahre brachtenesanden Tag:NurdiePend¬ lerregionen amAlpen-und Jurarand können ingröße¬ rem Maße vom Einkommensimport aus den Arbeits¬ platzzentren außerhalbdesBerggebietesprofitieren.Die übrigen Regionen sindaufdieeigenenArbeitsplätzeund Einkommensquellen angewiesen, umeine aktive Bevöl¬ kerungzuerhalten. Die beschleunigtenstrukturellenAn¬ passungsprozesse müssen in allen relevanten Beschäfti¬ gungsbereichenauseigenerKraft bewältigtwerden. Ins¬ besondere fürdenAgrarsektor,dieindustriellen Betriebe und die Tourismusbranche verändern sich dasmarktli¬ che Umfeldund die Konkurrenzverhältnisse indramati¬ scher Weise. Mit der Agrarpolitik 2002 wird auch die Berglandwirtschaft vermehrt in die unternehmerische Selbständigkeit entlassen. Der Tourismus verliert an Wettbewerbspositionen und sieht sich mit strukturellen und konjunkturellen Problemen konfrontiert. Mit dem RückzugdesBundesaus dem Berggebiet(Armeereform, PTT-Reform, Verkehrspolitik) verliert das Berggebiet wichtige industrielle Arbeitsplätze.Die knappen öffent¬ lichen Finanzen lassen trotz politischem Reformwillen für regionalpolitische und strukturpolitische Maßnah¬ men kaum einen größeren Mitteleinsatz erwarten. Kann die Regionalpolitik in dieser Situation neue Ak¬ zente setzen?Sie kannes sicher nur insehrbeschränk¬ temMaße, weildie Mittelausstattungäußerstbescheiden bleibt und dieregionalpolitischen Akzente nachwie vor durchdiesektoralpolitischenEntscheide gesetzt werden (Finanzausgleich, Agrarpolitik, Energiepolitik/Wasser¬ zinsen,Verkehrspolitik usw.).Die Neuorientierungkann aberdie bisherkleinräumig ausgleichsorientierte aufei¬ ne großräumigereanpassungs- und entwicklungsorien-tierte Regionalpolitiköffnenund sichmitdenbeschränk¬ tenMittelnaufimpulssetzendeProgrammeundProjekte konzentrieren.

3.Neuorientierungder Regionalpolitik alsRahmen für diekünftige Berggebietspolitik Für eine Neuorientierung der Regionalpolitik desBun¬ des standen dreiGründeimVordergrund:Neben den in¬ ternationalen Herausforderungen (Öffnungder Märkte und internationalerHandel,EU-Politik, technologischer Wandel, Wettbewerbsfähigkeit der Standorte in der Schweiz) sindes die notwendigen Reformen undpoliti¬ schen Initiativen im Innern (Armeereform, neueAgrar¬ politik, Technologiepolitik, neue Aufgabenverteilung zwischen Bund und Kantonen usw.), die eine generelle Überprüfung der regionalpolitischen Instrumente not¬ wendig machten. Dazu kommt, daßwichtigeregionalpo¬ litische Erlasse Mitte der neunziger Jahre ausliefen und somit eine Anschlußgesetzgebung notwendig wurde. Die Grundzüge der Neuorientierung der schweizeri¬ schen Regionalpolitik wurden eingangs skizziert. Die Reformarbeiten standen von Anfang an unterdem Ver¬ dikt der Etappierung und verschiedener Verantwor-tungs- und Zuständigkeitsbereiche. Selbst unter dem Dach desBIGA beschäftigen sich mehrere Abteilungen mit regionalpolitischen Instrumenten. Ein konsistentes Gebäudeentsteht nicht leicht, wenn tragende Pfeiler(et¬ wa die Neuordnung des bundesstaatlichen Finanzaus¬ gleiches) durch andere «Firmen» erstellt werden. Trotz¬ dem sind die Konturen des Gebäudes heute erkennbar (kind 1995;NeuorientierungderRegionalpolitik, 1996),

n. Massstab

Ziele\s^

Grossräumig Grenzregionen Kantoneund Kantonsgruppen

Kleinräumig Gemeindeverbindungen IHG-Regionenund Erweiterungen

Ausgleich Neuordnungbundesstaatlicher Finanzausgleich

Horizontaler Nutzen-und Lastenausgleich

Abgeltung Wasserzinserhöhung Agrarpolitik 2002(Kostenbeiträge, Direktzahlungen)

Allokation Sektoralpolitiken BWEIHG

Kooperation INTERREGII REGIO PLUS

BGB Bundesgesetzüber dieGewährungvonBürgschaftenund Zinskosten-beitrageninBerggebielen

BWE Bundesbeschluss zugunsten wirtschaftlicher Erneuerungsgebiete HKG Bundesgesetzüber dteFörderungdesHotel-undKurortkredites

IHG »BundesgesetzüberInvestmonshillelürBerggebiete REGIOPLUS Bundesbeschlussüber dieUnterstützungdesStrukturwandelsim

ländlichenRaum

INTERREGII Bundesbeschlussüber dieFörderungdergrenzüberschreitendenZu¬

sammenarbeitvonKantonenundRegionen

Abb.1 Dispositiv dergroß-und kleinräumigen Regional¬ politik. Zuordnung der wichtigsten Instrumente zu den Feldern derZiel-Maßstab-Matrix.

(kursiv:in Vorbereitung. Vernehmlassung oderparlamentarischer Beratung, Stand März1996)

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und einzelne Zimmer des erweiterten Gebäudes sind bereitsmöbliert.

In der Unterscheidung zwischen einergroß-und klein¬ räumigen Regionalpolitik wird die Absicht des Bundes sichtbar,seine regionalpolitische Tätigkeit aufdiegröße¬

reMaßstabsebenezuverlagern. Diekleinräumigesoll in die Kompetenz der Kantone abgegeben werden, ohne daß sich der Bund aus der finanziellen Verantwortung zieht.Die wichtigeAufbauarbeit bei derSchaffung funk¬ tionsfähiger regionaler Strukturen zur Bewältigung der zahlreichenüberkommunalenAufgabensolldamitnicht gefährdet werden.Mitderklaren TrennungderZielberei¬ chesollerreicht werden,daßderregionalpolitische Mit¬ teleinsatz transparenter und effizientererfolgen kann. Der beabsichtigte Schulterschluß der Regionalpolitik und der Raumplanungineiner gemeinsamenRaumord¬ nungspolitikdesBundessoll diesesGebäude tragen. Die neu zuschaffende Raumordnungskonferenz sollalsKo¬ ordinationsorgan die bisher unbefriedigende Abstim¬ mung der Sektoralpolitiken mitdenraumordnungspoli¬ tischen Zielen vornehmen. Kosten und Nutzen dieser Verschränkung sind dabei klar auszuweisen. Nach dembisherigenStandderparlamentarischenBera¬ tung ist dieses Gebäude im Grundsatz nicht gefährdet. Entscheidend wirddie konkrete Ausgestaltungdes neu¬ en Finanzausgleiches sein,und mit derWasserzinserhö¬ hung wird dann einzusätzlicher jährlicher Finanzflußin die Bergkantoneausgelöst,der mitca. 130Mio. Franken deutlich höher ausfällt als die regionalpolitischen Fi¬ nanzhilfen von durchschnittlich 100 Mio. Franken pro Jahr.

4. Wasbedeutetdie Neuorientierung der Regionalpolitik fürdie Berggebiete?

Vorerst einmal Kontinuität, denn mit der Revision des IHGwirddie von den Mittelnher am besten ausgestatte¬

teregionalpolitische MaßnahmeimangestammtenPeri¬ meter fortgesetzt. Mit der Überführung des Bonny-Be-schlusses (1978) indenBundesbeschluß fürwirtschaftli¬ cheErneuerungsgebiete(1996) kommenauch neue Teile des Berggebietes (Unterwallis, Waadt, Zentralschweiz, Tessin) in den Genuß von Bundesbeiträgen zur Förde¬ rung innovativerIndustrie-und Dienstleistungsbetriebe. Neu wird mit REGIO PLUS ein Instrument geschaffen, daszusätzlichzudenIHG-VorhabenimBerggebiet inno¬ vative Projekte und Programme zur Bewältigung des Strukturwandels speziell innicht zentrenbezogenenRe¬ gionen(NA, NAT, NI,vgl. Karte) fördernwill. Die dazu benötigten Mittelwerden abervoraussichtlichdem

IHG-Fonds belastet. Neu ist auchdie Möglichkeit, daß Berg-und Grenzkantoneüber Interreg Bundesbeiträge für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit EU-Staaten anfordern können. Diese Verordnung ist seit 1995 in Kraft und dürfte etwa für die Region Chablais/Mont-blanc und Jura/Franche-Comte von Bedeutung sein.

EU CH

%Berggebiete

REGIO PLUS

BWE

INTERREGII

IHG(Revision) HKB BGB

Abb.2 Territoriale Zuordnung der regionalpolitischen Instrumentedes Bundes.

(kursiv:inparlamentarischerBeratung, StandMär: 1996)

Mit der inhaltlichen Neugestaltungdes IHG (Totalrevi¬ sion) wird aber in der Berggebietsförderung wesentlich mehr Eigenverantwortung der Kantone, mehr Wettbe¬ werb zwischen den Regionen und mehr Kreativität bei der BewältigungderStrukturprobleme gefordert. Durch die Abkehrvom Restfinanzierungskriterium (max.25%) werden die Unterstützungsleistungen flexiblerundkön¬ nen vor allem konzentrierter erfolgen. Mit der Abkehr vom Quotensyslem zugunsten mehrjähriger Kreditlimi¬ tenandieKantone soll derWettbewerbverstärktwerden. Durchdie sachliche und räumliche Schwerpunktbildung sowiedieGewährungvonPauschaldarlehen sollschlie߬ lich die Allokationseffizienz verbessert werden. Diezu¬ kunftsorientierteStärkungderIHG-Regionenverschiebt sich so zugunsten der entwicklungsorientierten Infra¬ struktur, innovationsorientierter Projekte undderinter¬ regionalen Zusammenarbeit.

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Mittel werden zukunftsorientiert eingesetzt,dieAnreiz¬ struktur der Mittelvergabe stimuliert innovativeProjek¬

te,und die KonzentrationsmöglichkeitdesMitteleinsat¬ zes gewährleistet bessere Wirkungen. Die gezielte

pro-jekt-

undbetriebsorientierte Kooperationsförderungdes

REGIOPLUS ist als experimentellerTeil derneuenRe¬ gionalpolitikzuverstehen unddürfte aufgrund ausländi¬ scher Erfahrungen innovative Kräfte mobilisieren und koordinieren.

Insgesamt fließen dem Berggebiet durch diese Instru¬ mente nicht mehr Mittel zu. Erst die Neuausgestaltung des Finanzausgleichesund die definitive Entscheidung über dieErhöhung derWasserzinsen werden jenenMit¬ telzufluß bestimmen, überden dasBerggebiet dannzu¬ sätzlich selber verfügen kann.

Vorläufig aberbeobachtet dieschweizerischeArbeitsge¬ meinschaftfürdieBerggebiete(SAB) mitSorge,wiesich der Bund und zum Teildie Kantone trotzNeuorientie¬ rung der Regionalpolitikaus dem Berggebietzurückzie¬ hen. Die linearen Subventionskürzungen im Zuge der Budgetkorrekturen, die KürzungderSchlechtwetterent¬ schädigungen, der massive Abbau im öffentlichenVer¬ kehr und die Streichung der Bundesbeiträge zugunsten desViehabsatzes aus demBerggebiet sind Beispieleda¬ für.

Wirbefinden uns ineiner PhasedesÜbergangs von der kleinräumigenzudergroßräumigen Regionalpolitikdes Bundes. Konzeptuell ist dieser Schritt angelegt, instru-mentell abernur ansatzweisevollzogen. Solange überdie materiell entscheidenden Instrumente wie den neuen bundesstaatlichen FinanzausgleichoderdieWasserzins¬ regelung politisch nicht entschieden ist, bleibt dieser SchrittwechselweitgehendAbsicht.DieDoppelstrategie gibtaufderandernSeite dieMöglichkeit,auf beiden Ebe¬ nenneueErfahrungenzusammeln unddenregionalpoli¬ tischen Lernprozeß auszuweiten.

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Referências